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NIX.Film Stories

Die Nacht, in der Gotham nach Angola kam

Making The Last Places · Angola, August 2022 · Nick Platzer

Dem Busch im Süden Angolas ist es egal, welches Jahr wir schreiben. Dornbäume, roter Staub, Ziegen mit dem Gesichtsausdruck von Steuerprüfern. Das Land hier draußen ist alt, geduldig und an Kino vollkommen desinteressiert. In diese Landschaft hinein klappte ich jeden Abend bei Sonnenuntergang einen Tisch auf.

Darauf: ein Laptop, zwei Kartenleser, eine Reihe kleiner schwarzer Festplatten. Es war, soweit ich weiß, der einzige Schnittplatz im Umkreis von hundert Kilometern. Kein Dach, keine Tür, keine Adresse. Ich nannte ihn den Schnittplatz im Busch. Das Dorf nannte ihn vermutlich das leuchtende Ding, das die Gäste nach Einbruch der Dunkelheit anbeten. Eines Nachts würde dieser Tisch eine Stadt zeigen, die keiner von uns je gesehen hatte, und der Abend würde früher enden, als irgendjemand wollte.

Der Schnittplatz im Busch, Südangola. Öffnungszeiten: Sonnenuntergang bis Akku leer.
Der Schnittplatz im Busch, Südangola. Öffnungszeiten: Sonnenuntergang bis Akku leer.

Wir waren für The Last Places in Angola, den Dokumentarfilm, den Markus und ich in fünf Ländern gedreht haben: Südsudan, Angola, Kamerun, Nigeria und Tschad. Da draußen gibt es keine Cloud, keinen Server, niemanden, den man anrufen kann. Monate an Material existierten nur auf den Platten in meiner Tasche. Ich werde manchmal gefragt, wovor ich auf diesem Dreh am meisten Angst hatte. Schlangen? Checkpoints? Malaria? Nein. Vor dem leisen Klicken einer Festplatte, die nicht mehr aufwacht. Material, das einmal existiert, existiert nicht. Also: jede Datei, jeden Abend, doppelt.

Die Karten kamen noch warm aus den Kameras: die SSDs aus meiner Ronin 4D, die Drohnenkarten, Markus' Fotokarten. Alles lief gleichzeitig auf zwei SanDisk-Platten, mit einer kleinen Software namens Hedge, die auf zwei Ziele in voller Geschwindigkeit kopiert. (Hedge und ich haben uns inzwischen getrennt. Updates sperrten die Version, die ich bezahlt hatte. Ein Wutanfall für ein anderes Lagerfeuer.) Danach gab es nichts mehr zu tun, außer zwei grünen Balken beim Kriechen Richtung hundert Prozent zuzusehen, während der Busch dunkel wurde.

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